Freitag, 07.05.2010
15:40 MESZ.
Bordzeit: minus 1 Stunde.

Möhrenzeit. Nachtrag.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Texte dieses Blogs während der Reise auch im Intranet der Polarstern zu lesen waren und für allerlei Reaktionen sorgten. Christina Streit zum Beispiel, Stewardess und seit fast genau 32 Jahren in Diensten der christlichen Seefahrt, hat mir eigene Texte und Beobachtungen geschickt und eine Reihe von Karikaturen überlassen. Auch die werde ich demnächst hier veröffentlichen. Heute nur ein kleines Zitat nebst einem Foto aus einer Mail von Christina. Ich habe sie ein paar Tage nach der Geschichte über das Verschwinden der Frische aus den Lebensmitteln erhalten:

Ich sage nur Weihnachten 2006. Weihnachten fällt auf diesem Schiff meistens in die Möhrenzeit. Manchmal aber auch in die Sauregurkenzeit. Das ist die Zeit nach der Möhrenzeit. Dann ist Schluss mit dem nervigen Knacken und Schnurpsen. Dann wird es weich, wabbelig und matschig, es wird süßlich sauer und salzig.

Die Sauregurkenzeit begann schon im Advent. Schokolade und ähnliches war allerdings reichlich vorhanden. Auf dem Festtagsbuffet alle eingelegten Köstlichkeiten der Welt kunstvoll arrangiert. Edelstes Fleisch und Krabbenschwänze auf Spiegeln zu Bildern drapiert und garniert mit DREI SALATBLÄTTERN!!! Weiß der Geier, wo die her kamen.

Ahnst du, was kommt? Nachdem der Koch den Aufbau des Buffets begutachtet hatte und wieder in der Kombüse verschwunden war, hat niemand die drei Blätter vermisst. Sie waren echt. Sie waren frisch. Und sie schmeckten richtig grün.

Foto: Christina Streit
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25.04.2010
07:23 MESZ.
Bordzeit: minus 4 Stunden.

Es ist vorbei. Es geht weiter.

Es ist vorbei. Vor zwei Wochen sind wir gelandet, an einem trüben und kühlen Morgen. Auf einmal lag Punta Arenas an Steuerbord, das Nest am Ende der Welt. Acht Uhr morgens: Die Sonne schickte zitronengelbe Streifen durch dunkelblaue Wolken. Neun Uhr morgens: Festmachen. Auf einmal tragen alle Offiziere Uniformen. Am Kai der ganz normale Betrieb eines ganz normalen Hafens. Eines kleinen Hafens. Das Ueckermünde der Südhalbkugel. Gabelstapler, Männer mit orangefarbenen Helmen. Ölverschmiert speckige Schutzkleidung, trübe Reflektoren. Spanische Satzfetzen.

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25.3.2010

21:45 Bordzeit

Überwältigungsarchitektur.

Gut, dass Luxusyachten gemeinhin nicht eistauglich sind. Wären sie es, und ein russischer Neureicher vom Schlage Roman Abramowitschs würde zwischen antarktischen Eisbergfeldern und der Schelfeiskante der Pine Island Bay kreuzen: er würde wahrscheinlich sofort seine güldene Kreditkarte zücken und nach dem Architekten telefonieren lassen.

Das Eis baut. Kathedralen, Eingangsportale, überkuppelte Fußballstadien. Start- und Landebahnen, neben denen der Frankfurter Flughafen zum Ponyhof schrumpft. Sprungschanzen und Rutschbahnen. Kühn geschwungene Flächen mit Linien, die an Spannbetonbauten erinnern. Der Teepott von Warnemünde in Eis. Steil aufragende Kanten. Zerbrochene Riesenmotoren mit Kühlrippen, abgeschliffen vom Wellenschlag.

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