Eine Reise in Gegenden, in denen noch nie ein Mensch war: Dieser Satz hat mich angesprungen. Mich, der ich die meisten meiner Reisen bislang eher im Kopf unternommen habe. Mich, der ich eigentlich demnächst erst mal nach Island und Thailand und Argentinien, nach Vietnam und Georgien und Kathmandu und Aserbaidschan wollte – wo all die weitgereisten und globetrottenden Menschen um mich herum schon längst waren.

Irgendwann während dieser Reise werde ich 51. Das Leben geht unmerklich in den Sinkflug über. Sagen viele. Eine Lebenszeit, in der man keine neuen Projekte mehr anfängt. Sondern sich eher fragt, welche von den tausend Plänen und Vorhaben man denn noch schafft – und von welchen man sich ohne Bitterkeit verabschieden sollte. Und dann stand mir dieser Satz vor Augen. Und von Anfang an klang als Grundton mit: Ja, das willst Du. Ja, das ist jetzt dran.

Eine Reise in die extremst möglichen Erfahrungen. Klimatisch extrem, geographisch extrem, psychisch extrem. Neun Wochen mit einem Kameramann die Kabine teilen, den ich praktisch nicht kenne – schon das ist terra incognita mit ungewissem Ausgang. So wie die Schrecken des Eises und der Finsternis. Auch wenn im antarktischen Sommer, wie mir irgendwann bewusst wurde, die Finsternis nicht ihren allergrößten Schrecken entfaltet.

Eine Reise in Gegenden, in denen noch nie ein Mensch war: Der Satz stammt aus dem ersten, dem ursprünglichen Konzept für unseren Film. Das hat sich inzwischen noch einige Male geändert – wie sich auch der Satz relativiert hat: Irgendwo da auf dem Schelfeis waren auch schon vor unserer Reise andere Forscher, Abenteurer, Expeditionistas unterwegs. Aber dennoch gehört das Fahrtgebiet zu den am wenigsten erforschten Gegenden der Antarktis.

Neun Wochen lang, von Ende Januar 2010 bis in die erste Aprilwoche, begleiten der Kameramann Guido Kilbert und ich 55 Geowissenschaftler und 40 Besatzungsmitglieder des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern. Unterwegs in nahezu unberührte Eislandschaften der Westantarktis. Das Ziel, ein Ziel jedenfalls: eine Dokumentation im Auftrag des rbb für arte. Sendetermin im Herbst.

Für sieben Wochen reiste der aufrechte Hans Castorp auf den Zauberberg. Und begann damit eine Lebensreise, von der er sich in seinem braven Kaufmannsleben nie und nimmer etwas hätte träumen lassen. Das ist die Verheißung solcher Reisen: wer sie unternimmt, kommt nie unverändert an den Ausgangspunkt zurück.

Vielleicht muss es auch darum gerade diese Reise sein: eine Annäherung an den Ort der maximalen Unbehaustheit, um das innere Zuhause neu zu vermessen. Eine Expedition zu dem, was ich noch will. Und was ich kann.

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