Archives for category: Lehrmeister Pazifik

25.3.2010

21:45 Bordzeit

Überwältigungsarchitektur.

Gut, dass Luxusyachten gemeinhin nicht eistauglich sind. Wären sie es, und ein russischer Neureicher vom Schlage Roman Abramowitschs würde zwischen antarktischen Eisbergfeldern und der Schelfeiskante der Pine Island Bay kreuzen: er würde wahrscheinlich sofort seine güldene Kreditkarte zücken und nach dem Architekten telefonieren lassen.

Das Eis baut. Kathedralen, Eingangsportale, überkuppelte Fußballstadien. Start- und Landebahnen, neben denen der Frankfurter Flughafen zum Ponyhof schrumpft. Sprungschanzen und Rutschbahnen. Kühn geschwungene Flächen mit Linien, die an Spannbetonbauten erinnern. Der Teepott von Warnemünde in Eis. Steil aufragende Kanten. Zerbrochene Riesenmotoren mit Kühlrippen, abgeschliffen vom Wellenschlag.

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Montag, 15.3.2010
19:10 Bordzeit

Gestatten: Mondfisch. Angenehm, Filterbarsch.

Ich bin ein Mondfisch.

„Der Mondfisch“, notiert Wikipedia, „(Mola mola von lat. mola Mühlstein, auch Mola, Meermond, Sonnenfisch) gilt als der größte Knochenfisch der Welt.

Der Mola kann über 3 Meter lang, bis zu 4 Meter hoch und maximal 2,5 Tonnen schwer werden und er erreicht ein Höchstalter von wahrscheinlich weit über hundert Jahren. Sein plump wirkender Körper hat eine ungewöhnliche, scheibenförmig komprimierte Gestalt, ein Eindruck, der durch die fehlenden Bauchflossen noch betont wird. Auch ursprünglich vorhandene Organe wie die Schwimmblase und die Schuppen wurden im Verlauf der Entwicklungsgeschichte wieder reduziert und fehlen daher. Die Haut der Mondfische ist 15 cm stark und ist damit die dickste aller Lebewesen. Sie ist mit bis zu 50 verschiedenen Arten von Parasiten und Mikroorganismen besiedelt, die den Mondfisch zum Leuchten bringen können. Molas werden häufig mit Haien verwechselt, da sie oft an der Meeresoberfläche schwimmen und Rückenflossen haben, die ähnlich wie bei Haien aus dem Wasser ragen.“

Ich bin ein Mondfisch. Steht so in meiner Taufurkunde. Die seit einer Woche bei uns auf Kammer liegt. Vor einer Woche war Polartaufe. Seitdem darf ich mich Mondfisch nennen. Wovon ich bislang wenig Gebrauch gemacht habe. Obwohl mir der Name gefiel. Anfangs jedenfalls.

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10.03.2010

23:14 Bordzeit

Wie forscht ein Forschungsschiff?

Manchmal frage ich mich, was ich mir eigentlich unter einem Polarforschungsschiff in der Antarktis vorgestellt habe, zu einem beliebigen Zeitpunkt ante Polarstern. Einen Dampfer, der mühevoll knirschend durch Eisschollen bricht? Der Kapitän und drei Steuerleute dick eingemummelt in die Winteruniform, angespannt auf der Brücke? Durch Ferngläser auf die an Back- und Steuerbord aufgetürmten Eisberge starrend? Matrosen, die Eisanker auswerfen und froststeife Taue um einen Poller winden, mit Eisblumen vor Mund und Nase? Und dann schwärmt eine Schar von Forschern aus, mit wirr zerzaustem Haar, bewaffnet mit Botanisiertrommeln, Schleppnetzen und Messinstrumenten, und sammelt Organismen, Eis, antarktisches Wasser?

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