Archives for category: Gelesen

Polarsternesisch oder: Lexikon der Bordsprache (1)

Backbord und Steuerbord, laschen, fieren und hieven, Achterdeck und Leeseite … Nicht genug, dass man den festen Boden unter den Füßen verloren hat. Man muss sich außerdem noch einen Satz neuer Begriffe einprägen. Die Seemannssprache, sie hat ihre eigenen Regeln und Gesetze, aber vor allem: ihre ganz eigenen Ausdrücke. (weiterlesen…)

  • Share/Bookmark

23:15 Bordzeit

Die großen Abenteuer, sie sind bestanden, die Zeit der Abenteurer ist vorüber. Heißt es. Wenn die Entdeckungsreisen zu den Polen der Erde denn Abenteuer waren und nicht einfach Unternehmungen, um Menschen und Tiere auf möglichst grausame Weise in die ewigen Frostgründe zu befördern, dann sind sie als Abenteuer abgehakt. Die Weltkarte mit den weißen Flecken liegt zusammengerollt im Archiv der großen Entdeckungen.

Die Große Eisbarriere, heute nennen wir sie Schelfeiskante: bezwungen.
Viele Menschen haben den geographischen Südpol betreten und besetzt. Die leeren Eis- und Steinflächen, Hügel und Gebirge sind benannt und kartographiert, bis zum letzten Inselchen und Halbinselchen, bis zur kleinsten Bucht oder Felsennase.

Marie Byrd Land und Wilhelm-II.-Land, Sabrina-Küste und Edith Ronne Land, Queen Maud Range und Shepard Island, Beardmore-Gletscher und Axel-Heiberg-Gletscher. Benennungsimperialismus. Felsgesteine und Frostlandschaften heißen nach den Geldgebern der Polarforscher und Abenteurer. Oder nach ihren Monarchen. Oder nach den jeweils aktuellen Freundinnen derer, die als erste das Glück hatten, alle Orkane und Packeisfelder, alle Frosteinbrüche und Eisbergkollisionen auf dem Weg nach terra incognita zu überstehen.

(weiterlesen…)

  • Share/Bookmark

10:30 Bordzeit

Wie ein senkrechter Strich zieht unser Kurs auf den Bordmonitoren in Richtung Süden. Breitengrad für Breitengrad klettern wir abwärts. Pfeilgerade laufen wir auf den Sturm zu. Die Nacht war: Rollen. Schaukeln. Stampfen. Sinken und Steigen. Die Wellen schäumen. Wind? Sechs bis sechseinhalb, murmelt der Wettertechniker. Das wird noch mehr. Es bläst jetzt schon ganz ordentlich. Über das Arbeitsdeck rollt ab und zu eine Woge, leckt nasse Streifen auf das bleiche Decksholz. Manche Wellen laufen parallel zum Schiff, ein, zwei Meter höher als die Bordwand, da kann einem schon mulmig werden. Die Sonne scheint.

Nachdem wir die Wetterbilder des Tages gedreht haben, spielen wir Kreuzfahrt. Liegen auf Liegestühlen auf der windabgewandten Seite, Mütze, dicke Weste, Sonnenbrille, Buch. Die Reling steigt hoch vor unseren Augen, bis auf 15, 20 Grad geneigt, dann fällt sie langsam nach vorne. Und das Heck steigt aus dem Wasser. Hoch … Tief … Hoch … Sanfte, kräftige Schaukelbewegungen. Keine Spur von seekrank, der Ingwer bleibt im Tütchen. Vorerst.

So weit die Zeit - der wogende Pazifik

(weiterlesen…)

  • Share/Bookmark