Archives for category: Borddelikatessen

Freitag, 07.05.2010
15:40 MESZ.
Bordzeit: minus 1 Stunde.

Möhrenzeit. Nachtrag.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Texte dieses Blogs während der Reise auch im Intranet der Polarstern zu lesen waren und für allerlei Reaktionen sorgten. Christina Streit zum Beispiel, Stewardess und seit fast genau 32 Jahren in Diensten der christlichen Seefahrt, hat mir eigene Texte und Beobachtungen geschickt und eine Reihe von Karikaturen überlassen. Auch die werde ich demnächst hier veröffentlichen. Heute nur ein kleines Zitat nebst einem Foto aus einer Mail von Christina. Ich habe sie ein paar Tage nach der Geschichte über das Verschwinden der Frische aus den Lebensmitteln erhalten:

Ich sage nur Weihnachten 2006. Weihnachten fällt auf diesem Schiff meistens in die Möhrenzeit. Manchmal aber auch in die Sauregurkenzeit. Das ist die Zeit nach der Möhrenzeit. Dann ist Schluss mit dem nervigen Knacken und Schnurpsen. Dann wird es weich, wabbelig und matschig, es wird süßlich sauer und salzig.

Die Sauregurkenzeit begann schon im Advent. Schokolade und ähnliches war allerdings reichlich vorhanden. Auf dem Festtagsbuffet alle eingelegten Köstlichkeiten der Welt kunstvoll arrangiert. Edelstes Fleisch und Krabbenschwänze auf Spiegeln zu Bildern drapiert und garniert mit DREI SALATBLÄTTERN!!! Weiß der Geier, wo die her kamen.

Ahnst du, was kommt? Nachdem der Koch den Aufbau des Buffets begutachtet hatte und wieder in der Kombüse verschwunden war, hat niemand die drei Blätter vermisst. Sie waren echt. Sie waren frisch. Und sie schmeckten richtig grün.

Foto: Christina Streit
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28.03.2010

09:23 Bordzeit

Möhrenzeit.

Ich habe heute von Salat geträumt, sagt Laura beim Frühstück. Mit Tomaten. Also, nicht das Frühstück hatte die Tomaten. Aber der Traum. Das beschreibt das Problem.

Wenn Träume dieser Art in den Tag hinein flüstern und als Gesprächsstoff über den Tischen in der Messe kreisen, dann weiß der erfahrene Polarsternfahrer zweierlei: Die Hälfte der Reise ist rum. Und: Die Möhrenzeit ist da.

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Pemmikan … Es mag absurd sein, sich auf dieser knochentrockenen Wissenschaftlerreise ausgerechnet mit der Polfahrerliteratur des vergangenen Jahrhunderts ins Leseeckchen zurückzuziehen. Aber man trifft alte Bekannte wieder, die schon lange in der Vergessenheit versunken waren.

Pemmikan! Wie lange habe ich dieses Wort nicht mehr gelesen, geschmeckt… Dabei war es fester Bestandteil der Kopfreisen meiner Jungszeit, als ich all diesen Gestalten zum ersten Mal begegnet bin: Scott, Amundsen, Shackleton, Nansen, den Abenteurern. Alle aßen Pemmikan. Zum Frühstück, nach zehn Stunden im Eissturm, am Südpol: Immer gab es Pemmikan.

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